
Informationssystem Allianz Bau (ISAB) sorgt für transparente Arbeitsbedingungen
Faire Vergaben nützen allen
Mit dem Informationssystem Allianz Bau (ISAB) haben die Sozialpartner ein wirksames Instrument geschaffen, um korrekte Vergaben von Bauaufträgen zu unterstützen. Es liegt jetzt in der Verantwortung der Bauherren, dieses auch zu nutzen.
Von Nico Lutz* | Bild: ISAB | April 2021
Bauherren, die ihre Aufträge an korrekte und seriöse Firmen vergeben, fahren besser. Wenn Tiefstpreise nur mit schlechten Arbeitsbedingungen oder dem Einsatz von unbekannten Subunternehmern gehalten werden können, fangen oft die Scherereien an. Und am Schluss wird es aufwändiger und teurer. Sowohl die Bauherren als auch die Arbeitnehmer haben ein Interesse daran, dass Aufträge an Firmen vergeben werden, die nachweislich die Mindestarbeitsbedingungen und Gesamtarbeitsverträge einhalten. Für die öffentlichen Bauherren ist es gar Vorschrift, Unternehmen zu berücksichtigen, die die Gesamtarbeitsverträge einhalten. Doch wo finden Bauherren diesbezüglich verlässliche Informationen?
Bisher schwer interpretierbare Informationen
Viele Bauherren haben sich bereits bisher die Einhaltung der Mindestarbeitsbedingungen durch eine sogenannte GAV-Bescheinigung bestätigen lassen. Das Problem: Die rund 150 paritätischen Kommissionen haben solche Bestätigungen bisher nach ihrem eigenen Konzept ausgestellt. Hinter der Aussage «GAV-Konformität ist bestätigt» konnten sich ganz unterschiedliche Informationen verbergen: Die Firma wurde kontrolliert und ist in Ordnung. Oder die Firma wurde kontrolliert, hatte schwere Verfehlungen aber inzwischen nachgezahlt. Oder über die Firma ist nichts Nachteiliges bekannt, da sie gar nicht kontrolliert wurde.
Zudem war es für Bauherren praktisch unmöglich, die Informationen direkt in Erfahrung zu bringen. Man konnte sich meist nur auf die Dokumente verlassen, die die offerierende Firma vorlegte. Und wenn eine Firma nicht sauber war, dann fand sie Wege zu begründen, warum sie keine GAV-Bescheinigung vorlegen könne. Kurz: Selbst wenn Bauherren korrekt vergeben wollten, war es für sie alles andere als einfach.
ISAB, eine Initiative der Sozialpartner
Vor rund drei Jahren haben sich die Sozialpartner praktisch aller allgemeinverbindlichen Gesamtarbeitsverträge im Bau- und Ausbaugewerbe – 13 Arbeitgeberverbände und 3 Gewerkschaften – zusammengeschlossen und den Verein Informationssystem Allianz Bau (ISAB) gegründet. Das erklärte Ziel war, korrekte Vergaben zu unterstützen, einen Beitrag zu einem fairen Wettbewerb zu leisten und auch die Arbeitsbedingungen besser zu schützen. Das Prinzip ist einfach: Die rund 150 nationalen und regionalen paritätischen Kommissionen, in denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam die Durchsetzung der Gesamtarbeitsverträge überwachen, führen jedes Jahr über 10 000 Kontrollen in Firmen durch. Sie liefern die Ergebnisse der Kontrollen in aggregierter Form an ISAB.
So sind diese Informationen für alle Akteure, die am Vollzug der Gesamtarbeitsverträge beteiligt sind – paritätische Kommissionen und Kontrollvereine –, zugänglich. Und sie stehen auch Bauherren, die mit ISAB eine Nutzungsvereinbarung abschliessen, gegen eine Schutzgebühr zur Verfügung. Mit ISAB haben die Vertragsparteien eine viel grössere Transparenz und Verfügbarkeit von verlässlichen Informationen geschaffen. Es ist auch das einzige System, das branchen- und regionsübergreifend funktioniert.
Datenbank, standardisierte GAV-Bescheinigung und ISAB-Card
Die paritätischen Kommissionen liefern ein Verzeichnis darüber, welche Firmen ihrem Gesamtarbeitsvertrag unterstellt sind. Schon das war früher oft unklar. Diese Abfrage ist auf www.isab-siac.ch auch öffentlich zugänglich. Sie vermerken zudem laufend, welche Firmen sie kontrolliert haben, was sie kontrolliert haben, was das Ergebnis der Kontrolle ist (keine, leichte, mittlere oder schwere Verstösse) und ob noch Forderungen gegenüber der Firma offen sind. Diese Informationen sind dann transparent auch auf einer standardisierten GAV-Bescheinigung dargestellt. Es steht nicht mehr einfach «GAV-Konformität wird bestätigt». Wenn die Daten einer Firma von der paritätischen Kommission eingeliefert werden, erhalten die Firmen automatisch die Möglichkeit, sich bei ISAB anzumelden, und sie können dann selber ihre GAV-Bescheinigung herunterladen. Registrierte Bauherren haben ebenfalls Zugriff auf diese Informationen.
Firmen haben zudem die Möglichkeit, für ihre Mitarbeitenden eine ISAB-Card zu bestellen. Sie machen so für Bauherren und Kontrolleure die Informationen der ISAB-Datenbank auf der Baustelle verfügbar und unterstützen korrekte Vergaben sowie eine wirksame Durchsetzung des GAV. Wenn Bauherren von Firmen verlangen, ihre Mitarbeitenden mit ISAB-Cards auszurüsten, haben sie verschiedene Vorteile: Sie können selber jederzeit auf der Baustelle die ISAB-Card mit einer öffentlich zugänglichen App scannen und so überprüfen, ob der Mitarbeiter effektiv für die Firma arbeitet, die die Arbeiten ausführen sollte. Die Kontrolleure erhalten auf der Baustelle auch sämtliche Informationen über die Firma und können so risikobasierte Kontrollen durchführen.
ISAB gewinnt laufend an Aussagekraft
Vor knapp zwei Jahren ging ISAB mit der ersten Version live. In den vergangenen zwei Jahren wurde und wird weiterhin paritätische Kommission um paritätische Kommission in die Datenbank integriert. Der Holzbau, die Plattenleger und die Gebäudehüllefirmen sind vollständig integriert, beim Bauhauptgewerbe sowie Maler- und Gipsergewerbe fehlen nur noch die Daten einzelner regionaler paritätischer Kommissionen, in der Gebäudetechnik und der Elektrobranche ist die Integration in vollem Gange. Aktuell sind bereits die Informationen von über 27 000 Firmen aus dem Bau- und Ausbaugewerbe in ISAB enthalten, und die Aussagekraft steigt laufend.
Mit ISAB haben die Sozialpartner ein wirksames und mächtiges Instrument geschaffen, um korrekte Vergaben zu unterstützen. Verschiedene grössere Bauherren nutzen ISAB bereits systematisch. Die Suva zum Beispiel verlangt seit Januar 2021 von Firmen, die für sie bauen, eine GAV-Bescheinigung nach Standard ISAB. Je mehr Bauherren ISAB nutzen und verlangen, desto mehr wird sich das System auch ausbreiten. Davon haben alle etwas: Bauherren, korrekte Firmen und Arbeitnehmende.
www.isab-siac.ch
*Nico Lutz ist Präsident des Informationssystems Allianz Bau (ISAB) und Mitglied der Geschäftsleitung der Gewerkschaft Unia.